Unser Selbstverständnis

Unser Selbstverständnis als PDF

1. Einleitung

Das UTOPIA und das Jugendcafé sind Kinder- und Jugendeinrichtungen der Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken Kreisverband München. Sie werden vom Falkenfreizeit­stättenverein betrieben und von der Landeshauptstadt München finanziert.

Kinder und Jugendliche in unserer Gesellschaft
Unser Gesellschaftssystem ist geprägt von kapitalistischer Wirtschaftsweise, stärkt Individualismus und Konkurrenz und schwächt Gemeinschaftssinn. Kinder und Jugendliche sind davon geprägt. Sie erleben weder in der Schule noch in der Ausbildung und im Beruf Eigenverantwortung und Gemeinschaftssinn. Kinder und Jugendliche erleben vielmehr, in eine vorgefertigte Rolle gedrängt zu werden. Es braucht viel Kraft, daraus auszubrechen.

Unsere Aufgabe besteht darin, den Besucher*innen Alternativen aufzuzeigen und ein alternatives Gesellschaftsbild zu vermitteln. Dazu arbeiten wir geschlechtsspezifisch, antirassistisch und inklusionsorientiert. Wir schaffen Situationen und Formen, die das ermöglichen, zum Beispiel Aktionen und Maßnahmen. Dabei haben wir den Stadtteil im Blick. Kinder- und jugendspezifische Interessen spielen für uns eine entscheidende Rolle.

Geschichte unserer Einrichtungen
Ende 1949 wurde das Jugendheim Ost der SPD fertig gestellt. Seit dem 1. Mai 1957 dient es ausschließlich der Kinder- und Jugendarbeit. Ab 1972 startete die SJD – Die Falken Initiativen, um einen Abenteuerspielplatz auf dem weitläufigen Gelände einzurichten. Mit den geringen städtischen Zuschüssen gelang es nur wenige Jahre, den provisorischen Aben­teuerspielplatz zu gestalten. Seit 1982 fördert das Stadtjugendamt den Jugendtreff, 1987 wurde der Abenteuer­spielplatz eingerichtet. 1998 fand die Wiedereröffnung der umgebauten und erweiterten Einrichtung als UTOPIA statt. Das Jugendcafé ist eine Einrichtung der Stadt München, die vom FFV betrieben wird. Es wurde am 22.02.2020 eröffnet.

Der Falkenfreizeitstättenverein wurde 1986 gegründet, um das damalige Falkenheim und den im Entstehen begriffenen Abenteuerspielplatz im Auftrag der SJD – Die Falken zu betreiben. Die Mehrheit der Vereinsmitglieder wird durch den Jugendverband benannt. Ohne die inten­sive und engagierte Unterstützung der Ehrenamtlichen wäre das UTOPIA nicht entstanden.

Pädagogische Einflüsse
Die Vorgängerorganisationen der SJD – Die Falken entstanden in der sozialistischen Arbeiter­bewegung des Kaiserreiches und der jungen Weimarer Republik. Sie boten für Arbeiterkinder und Arbeiterjugendliche erstmals die Möglichkeit, sich über das miserable Niveau der Volksschule hinaus zu bilden, ihre Freizeit zu gestalten und ihre politischen und wirtschaftlichen Interessen zu vertreten. Ziel war die Selbstorganisation der Kinder und der Jugendlichen. Dazu wurden moderne pädagogische Konzepte erarbeitet wie z.B. die Zeltlagerrepubliken.

Politische Bildung, gemeinsame Freizeitgestaltung und Eintreten für die eigenen Interessen gehört auch heute zu den pädagogischen Pfeilern der SJD – Die Falken. Der Kinder- und Jugendverband wendet sich gegen Ausbeutung, Rassismus und Militarismus und setzt sich für Gleichberechtigung aller Menschen auf der Basis von Demokratie und Freiheit ein. Diese pädagogischen Ansätze und Werte gelten auch für unsere Kinder- und Jugend­einrichtungen.

2. Unsere Einrichtungen im Sozialraum

Bedeutung des Sozialraums für unsere Einrichtungen
Der Sozialraum, in dem sich die Einrichtungen befinden, beeinflusst durch seine Struktur direkt die Arbeit, die in der Einrichtung geleistet wird bzw. geleistet werden muss. Gleichzeitig wirken unsere Einrichtungen in unterschiedlicher Weise ihr sein Handeln bzw. durch die geleistete pädagogische Arbeit auf den Sozialraum. Bei dessen Beschreibung spielen drei Faktoren eine übergeordnete Rolle: die geografische Ausdehnung des Sozialraums, dessen gesellschaftliche Struktur sowie das sich daraus für unsere Einrichtungen ergebende Klientel.

Konkret besteht der Sozialraum aus den Münchner Stadtteilen Ramersdorf und Perlach, die geprägt sind durch einen hohen Armutsanteil. Hier leben viele sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche aus kinderreichen Familien, die bei geringem durchschnittlichem Einkommen auf engem Raum zusammenleben und mit niedrigen Bildungschancen und eingeschränkter Mobilität einer besonderen sozialpädagogischen Aufmerksamkeit bedürfen.

Um die Angebote in und die Möglichkeiten der Einrichtung dem Bedarf im Sozialraum anzupassen, findet eine kontinuierliche Bedarfsanalyse im Rahmen von Teamsitzungen, Supervisionen und Klausuren statt. Durch diese Maßnahmen kann sichergestellt werden, dass das Programm und dessen Schwerpunkte nicht am Bedarf des Sozialraums vorbeigeht. Gleichzeitig kann davon ausgegangen werden, dass die Attraktivität der Einrichtung für die Klientel durch die Anpassung des Programms gesteigert wird.

Aufgaben unserer Einrichtungen im Sozialraum
Im Sozialraum sehen wir unterschiedliche Aufgaben für uns. Diese lassen sich wie folgt unterteilen:

1. Einen Raum bereitstellen

Der Abenteuerspielplatz bietet für Kinder bis 13 Jahren und die Freizeitstätte für Jugendliche ab 13 Jahren einen Raum, in dem sie sich in ihrer Freizeit aufhalten können. Das Jugendcafé richtet sich an Jugendliche ab etwa 12 Jahren und junge Erwachsene. Dabei soll die Möglichkeit geschaffen werden, dass möglichst viele Kinder und Jugendliche den Raum nutzen können. Durch die Beschaffenheit unserer Einrichtungen wird eine möglichst hohe Mischung von Kindern und Jugendlichen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen angestrebt.

Weil Mädchen und junge Frauen in unserer Gesellschaft benachteiligt sind, achten wir besonders darauf, die Einrichtung an Bedürfnissen von Mädchen und jungen Frauen auszurichten. Um sie zu stärken und vorgegebene Rollenbilder in Frage zu stellen, veranstalten wir spezielle Angebote für Mädchen und geschlechtsspezifische Gruppen auch für Jungen. So können Mädchen und Jungen aktiv ihre Freizeit und ihre Räume nach ihren Bedürfnissen gestalten. Durch die Auseinandersetzung mit den Geschlechterrollen wirken wir auch aktiv in den Sozialraum.

Der Raum unserer Einrichtungen ist frei von Zwängen und Pflichten anderer pädagogischer Institutionen wie beispielsweise Familie oder Schule, schließt diese aber nicht kategorisch aus. Alle Besucherinnen und Besucher der Einrichtung können mit Problemen, die ihre aktuelle (sowie eventuell zukünftige) Lebenslage betreffen, im pädagogischen Raum unserer Einrichtungen Hilfe finden. Maßnahmen, die zur Lösung der Problemlagen beitragen, können sowohl in den Einrichtungen als auch außerhalb (auch außerhalb des Sozialraums) stattfinden.

Der Abenteuerspielplatz bietet zusätzlich einen Raum inmitten der Stadt, in dem Kinder Abenteuer und Natur erleben können.

2. Den Raum gestalten

In erster Linie bieten unsere Einrichtungen Freizeitgestaltungsmöglichkeiten an. Es soll für die jungen Menschen die Möglichkeit geschaffen werden, die Freizeit weitgehend nach eigenen Wünschen, Bedürfnissen und Vorlieben zu verbringen.

Unsere Einrichtungen bieten einen Freiraum für Kinder und Jugendliche, in dem eigene Erfahrungen gemacht und unterschiedlichste Dinge erlebt werden können. Kinder und Jugendliche können sich in der Einrichtung Räume aneignen, sich darin verwirklichen und somit lernen, sie wertzuschätzen.

Das Programm soll zum einen ein breites Spektrum an Angeboten umfassen, um möglichst viele und unterschiedliche Kinder und Jugendliche anzusprechen. Dazu gehört auch, dass wir aus unserer Einrichtung herausgehen und beispielsweise über mobile Spielaktionen Kinder ansprechen, die aufgrund der Distanz oder wegen unüberwindbarer Hindernisse (stark befahrene Straßen) nicht zu uns kommen können. Gleichzeitig lassen unsere Angebote aber auch Platz, um eigene Ideen einbringen und umsetzen zu können sowie Zeit für Begegnung und Austausch und ein freundschaftliches Zusammenkommen zu ermöglichen.

3. Wirkung unserer Einrichtungen in den Sozialraum

Die pädagogischen und politischen Ziele wirken durch die erfolgreiche Sozialarbeit der Einrichtungen auf den Sozialraum.

Der Abenteuerspielplatz und die Freizeitstätte sollen als gemeinsame Marke „UTOPIA“ im Sozialraum erscheinen und vertreten sein. Das Jugendcafé nimmt eine gestaltende Rolle im Neubaugebiet Hochäckerstraße wahr. Als kompetente (Ansprech-) Partner für die Landeshauptstadt München bzw. dessen Vertreter*innen und die politische Vertretung des Stadtteils Ramersdorf treten unsere Einrichtungen im Sozialraum auf. Angebote der LHM oder auch anderer Institutionen werden den Besucher*innen durch unsere Einrichtungen näher gebracht.

Unsere Einrichtungen treten als Lobby für Kinder und Jugendliche auf und tragen deren Anliegen nach außen. Gleichzeitig fördert es die eigenständige Interessenvertretung von jungen Menschen im Stadtteil. Unsere Einrichtungen fördern die Gestaltung öffentlicher Räume unter Beteiligung der Kinder und Jugendlichen.

Zusätzlich ist es Aufgabe unserer Einrichtungen, sich mit anderen pädagogischen Einrichtungen im Sozialraum zu vernetzen. Dazu gehören in erster Linie Grund-, Mittel- und Realschulen, Förderzentren, Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit sowie Unterkünfte für (unbegleitete, minderjährige) geflüchtete Menschen. Durch die Nutzung von Räumen, vor allem des Abenteuerspielplatzes und des Jugendcafés, durch andere Einrichtungen und auch Privatpersonen, zum Beispiel für Kindergeburtstage, wird die Vernetzung gefördert und der Sozialraum um ein Angebot bereichert. Je besser die Vernetzung zwischen den pädagogischen Einrichtungen im Sozialraum funktioniert, desto besser können Bedarfe und Bedürfnisse des Klientels erkannt und aufgefangen werden.

3. Wirkung des UTOPIA in den Sozialraum

Die pädagogischen und politischen Ziele wirken durch die erfolgreiche Sozialarbeit im UTOPIA auf den Sozialraum.

Der Abenteuerspielplatz und die Freizeitstätte sollen als gemeinsame Marke „UTOPIA“ im Sozialraum erscheinen und vertreten sein. Als kompetenter (Ansprech-) Partner für die Landeshauptstadt München bzw. dessen Vertreter und die politische Vertretung des Stadtteils Ramersdorf tritt die Einrichtung im Sozialraum auf. Angebote der LHM (oder auch anderer Institutionen) werden den Besuchern durch das UTOPIA näher gebracht werden.

Das UTOPIA tritt als Lobby für Kinder und Jugendliche auf und trägt deren Anliegen nach außen. Gleichzeitig fördert es die eigenständige Interessenvertretung von jungen Menschen im Stadtteil.

Zusätzlich ist es Aufgabe des UTOPIA, sich mit anderen pädagogischen Einrichtungen im Sozialraum zu vernetzen. Dazu gehören in erster Linie Grund-, Mittel- und Realschulen, Förderzentren, Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit sowie Unterkünfte für (unbegleitete, minderjährige) geflüchtete Menschen. Durch die zur Verfügungstellung eines Raumes (v.a. des Abenteuerspielplatzes) für Einrichtungen (und auch Privatpersonen, v.a. für Kindergeburtstage) sowohl während als auch außerhalb der Öffnungszeiten wird die Vernetzung gefördert und der Sozialraum um ein Angebot bereichert. Je besser die Vernetzung zwischen den pädagogischen Einrichtungen im Sozialraum funktioniert, desto besser können Bedarfe und Bedürfnisse des Klientels erkannt und aufgefangen werden.

3. Pädagogische Ziele

Unsere pädagogischen Ziele lassen sich mit dem Wachstum eines Baumes vergleichen, wobei der Baum für ein Kind bzw. Jugendlichen steht. Die Zeichnung spiegelt das Menschenbild und dessen positive Entwicklung wider, die unsere pädagogische Arbeit prägt.

Es wird der Raum zur Verfügung gestellt, in dem sich die Wurzeln des Menschen in alle Richtungen ausbreiten und verzweigen können. Zu diesen Wurzeln gehören Neugier, Spaß, Freude, Kreativität, Interessen entwickeln und Hobbies ausleben. Auch ein sicherer und kreativer Platz, Schutz und Geborgenheit sind wichtige Wurzeln. Nicht zuletzt geht es darum, eigene Fähigkeiten zu erkennen und zu erweitern und außerschulisches Wissen zu fördern.

Ein sicherer, gefestigter Stand, der auf diesen Wurzeln aufbaut, ermöglicht es den Kindern und Jugendlichen weitere wichtige Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie persönliche Eigen­schaften auszuprägen. Im Bild des Baumes steht hierfür der Stamm, der auch das Wachsen des Menschen ausdrückt. Dieses Wachstum bezieht sich auf Selbstwert, Eigenständigkeit, Interesse an der sozialen Umwelt, dem Hinterfragen von Klischees und Umdenken.

Im Bereich der Baumkrone finden sich die Fähigkeiten, dessen Ausprägung bei den Kindern und Jugendlichen die obersten Ziele für unsere pädagogische Arbeit darstellen: Sie sollen eine eigene Meinung bilden und vertreten, ihr eigenes Verhalten reflektieren, Konflikte aushalten und lösen und Kompromisse eingehen, eigene Projekte starten und anleiten und Respekt, Solidarität und Gerechtigkeitssinn entwickeln. Genau wie die einzelnen Äste bzw. Wurzeln des Baumes können sich die Kinder und Jugendlichen im UTOPIA und im Jugendcafé in alle Richtungen (gleichzeitig) entwickeln.

Die Entwicklung eines jeden Menschen wird maßgeblich durch seine Umwelt beeinflusst. Auch unsere Einrichtungen sind Teile dieser Umwelt. Mit unserer pädagogischen Arbeit wollen wir unsere Verantwortung wahrnehmen und das Tempo und die Art des Wachstums begleiten.

Der Vergleich der pädagogischen Ziele mit dem Wachstum eines Baumes ist auch insofern passend, als dass die Fähigkeiten und Fertigkeiten, die am Baum die sichtbaren und bestimmenden Merkmale sind, ebenso den Raum um den Menschen gestalten: Je weiter oben die Fähigkeiten auf dem abgebildeten Baum stehen, desto mehr ermöglichen sie es dem Kind bzw. Jugendlichen, seine Umwelt (nach eigenen Vorstellungen und mit eigenen Ideen) mitzugestalten.

Grundsätzlich holt unsere pädagogische Arbeit Kindern und Jugendlichen dort ab, wo sie stehen und unterstützt sie dabei, weiter zu wachsen.

Das Rahmenkonzept offene Kinder- und Jugendarbeit bildet ebenfalls die Grundlage unserer Arbeit.

Bild: Unsere Ziele (Jessica Kuhn)

4. Ansätze und Angebote des UTOPIA und des Jugendcafés

Unsere Einrichtungen schafft einen Ausgleich zu Zwängen in Schule, Arbeit und ggf. Eltern­haus. Die jungen Menschen kommen in die Einrichtung, um ihre Freizeit mit Gleichaltrigen zu genießen. Deswegen bieten wir jenseits aller weiteren pädagogischen Ziele Raum für das Treffen mit Freundinnen und Freunden, für das Ausleben von Hobbies und generell für Spaß und Erlebnisse.

Grundsätzlich sind alle jungen Menschen des jeweiligen Altersbereichs in unseren Einrichtungen willkommen. Wir achten auf Barrierefreiheit und Niedrigschwelligkeit, um allen den Zugang so gut wie möglich zu erleichtern. Wir treten jeder Diskriminierung entgegen und fördern positive Kontakte zwischen unterschiedlichen Besucher*innengruppen.

Die Pädagog*innen setzen an den Interessen und Wünschen der Kinder und Jugendlichen an. Diese sollen sich gerne im UTOPIA und im Jugendcafé aufhalten, sich sicher und geborgen fühlen. Hier können sie sich austoben, Sport treiben, feiern, entspannen, Musik hören, spielen, reden und anderes mehr. Deswegen ist die Atmosphäre im Jugendtreff, auf dem Abenteuer­spielplatz und im Jugendcafé familiär und bietet unterschiedliche Aktionsmöglichkeiten und Rückzugsräume.

Die sozialpädagogischen Fachkräfte fördern den Austausch unter den Kindern und Jugendlichen. Diese können sowohl Bekannte treffen als auch bisher Fremde kennenlernen, Kontakte knüpfen und vertiefen, sich untereinander austauschen, voneinander lernen, sich verlieben und entlieben, Konflikte austragen und miteinander Spaß haben. Damit ein respekt­volles Miteinander gefördert wird, geben wir entsprechende Regeln für den Umgang vor.

Auf unterschiedliche gesellschaftliche Möglichkeiten von Mädchen und Jungen, Kindern und Jugendlichen verschiedener Herkunft sowie jungen Menschen mit Beeinträchtigungen wird geachtet. Für Mädchen gibt es eigene Räume und Zeiten. Auf kulturelle Besonderheiten wird Rücksicht genommen. Es werden aber nicht die kulturellen Unterschiede in den Vordergrund gestellt, sondern die gemeinsamen Interessen und Erfahrungen der Kinder und Jugendlichen. Ziel ist ein solidarisches Verhalten.

Unsere Fachkräfte unterstützen die jungen Menschen bei vielfältigen Fragen, Problemen und Wünschen. Themen können z.B. Liebe und Sexualität, Genuss und Sucht, Schule und Beruf, Familie, kulturelle Konflikte, Gewalt, Freundschaft oder Berufswahl sein. Wir bieten individuelle Hilfestellung in Schule, Beruf und Alltagsfragen.

Damit die jungen Menschen ihre künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten und Interessen entdecken, pflegen und erweitern können, bieten die Einrichtungen ein breites Spektrum an Aktivitäten: Hüttenbauen, Malen, Basteln, Musizieren, Kochen, Holzarbeiten, Tanzen. Die Pädagog*innen setzen bei den Interessen der Kinder und Jugendlichen an, nehmen ihre Vorschläge auf und machen zusätzlich Angebote, um das Spektrum zu erweitern.

Die Fachkräfte halten nicht am Tagesprogramm fest, wenn es situativ etwas zu behandeln geht. Sie holen die Kinder und Jugendlichen da ab, wo sie gerade stehen. Wenn sie Probleme oder Wünsche haben, reagieren wir. Spontanes Handeln wird bei uns großgeschrieben.

Auf dem Abenteuerspielplatz liegt ein besonderer Schwerpunkt auf Naturerleben. Kinder können den Spielplatz mit Wiese, Bäumen, Wasser, Feuer, Pflanzen und frei lebenden Tieren zu jeder Jahreszeit erforschen. Gerade für Kinder, die keine Möglichkeiten haben, die Stadt zu verlassen, bildet dies einen wichtigen Ausgleich zu ihrer betonierten und asphaltierten Umwelt.

Unsere Einrichtungen sind Orte, um neue Erfahrungen zu machen und Neues zu erfahren. Die pädagogischen Fachkräfte regen an, sich mit unterschiedlichen Themen auseinander-zusetzen und Informationen aufzunehmen. Sie stehen für Fragen und zum Hinterfragen bereit und beginnen bewusst Diskussionen zu gesellschaftlichen Themen. Kindern und Jugendlichen wird dadurch ermöglicht, ihre Meinung zu entwickeln und zu überprüfen. So können Klischees und Vorurteile überdacht und überwunden werden.

Gesellschaftliche Zusammenhänge werden spielerisch verdeutlicht. Jedoch geht es nicht um ein bloßes Nachempfinden, sondern um eine kritische Auseinandersetzung. Das zeigt sich deutlich in der Spielstadt des Abenteuerspielplatzes, in der eigene Formen von Demokratie und Soziale Sicherung entwickelt wurden, die über die derzeitige gesellschaftliche Realität hinausgehen. Team und Vorstand des Falkenfreizeitstättenvereins vertreten die Werte Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität.

Die Pädagog*innen schaffen den Besucher*innen Möglichkeiten, eigene Interessen in die Angebote und den Ablauf der Einrichtungen einzubringen. Das betrifft z.B. das Programmangebot und die Regeln. Wir fördern gezielt die Eigenverantwortung der Kinder und Jugendlichen. Die Fachkräfte unterstützen sie, auf Festen oder im offenen Betrieb eigene Angebote für andere Kinder und Jugendliche zu organisieren.

Wir suchen und nutzen Möglichkeiten, dass sich Kinder und Jugendliche im Stadtteil einmischen und ihre Interessen einbringen können.

5. Aufgaben und Rollen der Pädagoginnen und Pädagogen

Jeder junge Mensch hat das Recht, in unsere Einrichtungen zu kommen und ohne Bedin­gung Wertschätzung zu erfahren. Jede und jeder soll erfahren: „Du bist hier willkommen“.

Diese parteiliche, positive, vorurteilsfreie Grundhaltung bedeutet einen hohen Anspruch an die Pädagoginnen und Pädagogen, da es auch Kinder und Jugendliche gibt, die ein nicht erwünschtes Verhalten haben. Es ist wichtig, zu differenzieren: Jede Person wird wertgeschätzt, aber nicht jedes Verhalten.

Die Pädagog*innen sind Bezugspersonen. Ihre Rolle unterscheidet sich von Eltern, Lehrkräften oder Polizei. Es ist sehr wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen, welche die Einrichtungen besuchen, Vertrauen zu ihnen aufbauen können. Kinder und Jugendliche brauchen Verständnis. Sie befinden sich in verschiedenen Lebensphasen. Die sozialpäda­gogischen Fachkräfte handeln dem entsprechend, unterstützen sie und holen sie da ab, wo sie gerade stehen. Die Pädagog*innen gestalten aktiv die Beziehung zu den Besucher*innen, die auf Vertrauen du Verständnis basiert. Sie erkennen an, dass dies wachsen muss und Entwicklung bedeutet.

Da Wünsche, Bedürfnisse und Bedarf von Kindern und Jugendlichen sehr unterschiedlich sind, wechseln auch die Aufgaben und Rollen der Pädagog*innen. Sie tragen Verantwortung gegenüber den jungen Menschen und nehmen sie zuverlässig wahr. Die Aufgaben umfassen:

  • Schutz: Kinder und Jugendliche können in unseren Einrichtungen durchatmen, finden Ansprech­personen und erhalten auch räumlich gesehen Schutz. Die Pädagog*innen sind aufmerksam und ergreifen die Initiative, wenn Anzeichen vermuten lassen, dass es den Kindern und Jugendlichen nicht gut geht.
  • Versorgung: Vergleichbar mit den Eltern unterstützen die pädagogischen Fachkräfte die Kinder und Jugendliche sowohl emotional als auch praktisch, z.B. durch Versorgung mit Essen.
  • Hilfe, Unterstützung und Beratung: Die Pädagog*innen sind erwachsene Personen mit Erfahrung, denen junge Menschen auch Dinge anvertrauen können, die Eltern nicht erfahren sollen. Sie werden beraten, auch zu Schwierigkeiten in der Familie oder bei Streit mit Freundinnen und Freunden, bei Fragen zur Sexualität oder bei anderen schwierigen Problemen.
  • Anregung und Entwicklung: Die Pädagog*innen stellen Fragen und regen somit zu Neugier und Auseinandersetzung mit Vorgegebenen an. Sie stellen Gewohntes in Frage und zeigen auf, dass die Gesellschaft von Menschen geschaffen und von Menschen veränderbar ist. Sie geben Anstöße, sich mit der Umwelt auseinanderzusetzen.
  • Vorbild: Ob gewollt oder nicht, sind die pädagogischen Fachkräfte Vorbilder. Junge Menschen können sich an ihnen als erwachsene Bezugspersonen orientieren. Die Pädagoginnen und Pädagogen sind sich dieser Rolle bewusst und bereit, ihr Verhalten, ihre Geschlechterrolle und ihre Werte auch in Frage stellen zu lassen. Vorbildliches Verhalten bedeutet für uns nicht, Makellosigkeit zur Schau zu stellen. Wir versuchen, einen vernünftigen Umgang mit unseren Schwächen zu zeigen, statt diese zu verstecken.
    Jeder Mensch schätzt Genussmittel. Genussmittel können aber auch zur Droge werden. Unser Ansatz lautet nicht, immer Abstinenz zu predigen. Im Vordergrund steht vielmehr ein individuell angepasster Umgang, den Erwachsene oft schon haben, Kinder und Jugendliche aber häufig noch für sich finden müssen.

Schutzauftrag und Erfahrungsräume
Die Pädagog*innen unserer Einrichtungen ermöglichen jungen Menschen eigene Erfahrungen. Ein wichtiger Leitsatz dabei ist: „Hilf mir, es selbst zu tun“.

Dies steht aber oft im Gegensatz zu gesellschaftlichen Erwartungen, denn Eltern verlangen verstärkt nach Schutz für ihre Kinder. Es bedeutet oft ein Risiko, Neues auszuprobieren und eigene Erfahrungen zu machen. Für Kinder und Jugendliche ist eine bedeutende Lernerfahrung, Gefahren abzuschätzen und sich des Risikos bewusst zu sein.

Die pädagogischen Fachkräfte müssen diese Ambivalenz aushalten. Sie kann zu Druck und Unsicherheit führen. Wichtig ist, Risiken abzuschätzen, aber den Kindern und Jugendlichen eigene Erfahrungen zu ermöglichen. Der Austausch im Team dient zu einer verantwortungs­bewussten Regelung.

Partizipation und Macht
Die Pädagog*innen haben mehr Macht als die Besucher*innen. Sie existiert schon alleine durch das Hausrecht, die Aufsichtspflicht sowie die Entscheidungsgewalt über Regeln, Finanzen usw. Macht kann durch Grenzsetzungen und Sanktionen wie z.B. Platz- und Hausverboten ausgeübt werden.

Der Träger und das pädagogische Team entscheiden, wie diese Machtebene eingesetzt wird. In unseren Einrichtungen wird sie als letztes Mittel eingesetzt, denn sie widerspricht der offenen Grundhaltung gegenüber den Besucher*innen und dem Anspruch auf Mitgestaltung und Mitbestimmung.

Kinder und Jugendliche werden mit ihren Wünschen und Bedürfnissen ernst genommen. Deswegen ist der Umgang mit den jungen Menschen von einer offenen und akzeptierenden Haltung geprägt. Die pädagogischen Fachkräfte ermöglichen Partizipation und Gestaltungsfreiräume.

Diese offene Haltung bedeutet, bei den Kindern und Jugendlichen nachzufragen, auf sie und ihre Ideen einzugehen und diese durchzuspielen, auch wenn die Vorschläge ungewöhnlich sind und auf den ersten Blick unrealistisch erscheinen. Das beinhaltet aber nicht nur Hinterfragen, sondern auch, sich in Frage stellen zu lassen. Damit bewegen sich die Pädagog*innen auf einer gleichberechtigten Ebene mit den Kindern und Jugendlichen.

In unseren Einrichtungen sind Sanktionen keine Strafe. Sie werden nur dann verhängt, wenn sie als Schutz für andere Besucher*innen notwendig sind. Durch Sanktionen wird deutlich, dass andere Anstrengungen nicht erfolgreich waren. Sie sind damit ein letztes Mittel.

Inklusion
Unsere Einrichtungen stehen für ein inklusives Konzept. Das bedeutet, dass die jungen Menschen als eigenständige Persönlichkeiten mit allen ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen wahrgenommen und ernstgenommen werden. Die Einrichtungen sind für alle Interessierten offen. Kinder und Jugendliche sollen die Vielfalt und Buntheit der Menschen in unseren Einrichtungen kennenlernen, begreifen und verstehen können. Im Vordergrund stehen gemeinsame Interessen, gemeinsame Ziele und gemeinsame Aktivitäten und keine Einteilung in bestimmte Kategorien und Kriterien. Das offensiv vertretene Leitmotto ist: Wir sind alle anders, aber wir sind alle gleichberechtigt.

Gleichwohl werden die möglichen Barrieren für den gleichberechtigten Besuch der Einrichtung gesehen und berücksichtigt. Dazu gehören Geschlechterrollen, Behinderungen, familiäre und religiöse Tabus oder sexuelle Identität und Orientierung. Gesellschaftliche Diskriminierungen aufgrund von zum Beispiel Herkunft, Ethnie, Geschlecht, sozialem Status, sexueller Identität und Orientierung, körperlichen und geistigen Fähigkeiten, Religion und Weltanschauung wirken sich auch auf die Besucher*innen unserer Einrichtungen aus. Sie werden thematisiert und weder stillschweigend übergangen noch geduldet.

6. Zusammenarbeit und Verantwortung

Für die Zusammenarbeit erwarten wir von allen Vorstandsmitgliedern und Beschäftigten ein Verständnis, das auf Partnerschaft, Kommunikation, Unterstützung und Verantwortung setzt.

Freude an der Arbeit
Wir haben Freude an der Tätigkeit und der Zusammenarbeit in einem Team, in dem es Spaß macht, etwas zu erreichen. Die Pädagog*innen wertschätzen die Einrichtung, die ihnen eine persönliche Entwicklung ermöglicht. Dies vermitteln sie auch den Besucher*innen.

Teamarbeit
Ein Team kann nur dann funktionieren, wenn der Rückhalt der Kolleg*innen besteht. Wir nutzen die Kompetenzen jedes Teammitglieds, jede*r kann sich mit den eigenen Fähigkeiten un Vorstellungen einbringen. Gemeinsames Handeln und Agieren, gemeinsames Reflektieren ist uns wichtig. Die Pädagog*innen werden nicht übergangen, wir arbeiten alle gleich. Unsere Kommunikation ist partnerschaftlich. Wir stehen gemeinsam im Austausch, besprechen und unterstützen uns gegenseitig. Kommunikation ist für uns konstruktiv. Es werden gemeinsam Lösungen gefunden, die wir auch gemeinsam nach außen vertreten. Wir unterstützen uns gegenseitig. Dazu ist es sehr wichtig, flexibel und spontan zu arbeiten und z. B. bei Bdarf einzuspringen.

Reflexion
Wir in der Rolle der Pädagog*innen überprüfen unser Handeln im Kleinteam, im gesamten Team und in der Supervision. Es ist uns wichtig, unser Handeln sichtbar zu machen, es zu reflektieren und für die Kinder und Jugendlichen verständlich zu machen.

6. Zusammenarbeit mit der SJD-Die Falken

Die unter „Pädagogische Einflüsse“ genannten Ziele und Werte der Sozialistischen Jugend – Die Falken prägen auch die Arbeit des Falkenfreizeitstättenvereins. Wir identifizieren uns mit diesen Werten und Zielen und zeigen das auch nach außen. Unsere Einrichtungen zeigen Kindern und Jugendlichen beispielhaft, wie eine demokratische, partizipative, gerechte und humane Gesellschaft aussehen kann. Das bedeutet auch, die Rechte der Kinder, wie sie in der Kinderrechteerklärung der Vereinten Nationen vereinbart sind, wirksam umzusetzen. Dies ist uns Verpflichtung.

Die gemeinsamen Ziele und Werte prägen die Zusammenarbeit zwischen der SJD – Die Falken und dem FFV. Das Sepp-Linsenmeier-Haus steht über die offene Kinder- und Jugendarbeit hinaus auch für die Gruppenarbeit der SJD – Die Falken zur Verfügung.

Zur Verknüpfung der Einrichtungen mit der Verbandsarbeit bietet sich im Alltag vor allem die Zusammenarbeit bei Fahrten und Spielfesten an. Dazu gehören zum Beispiel das Frühlings­fest auf dem Abenteuerspielplatz und die Teilnahme am Familienfest des DGB am 1. Mai. Der FFV ermöglicht seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Rahmen der Freistellung zum Zwecke der Kinder- und Jugendarbeit und darüber hinaus die Unterstützung von Veranstaltungen der SJD – Die Falken, etwa von Freizeiten oder Seminaren.

Aktive der SJD – Die Falken und der Kinder- und Jugendeinrichtungen des FFV haben oft ähnliche Schulungsbedürfnisse. Verband und FFV streben deswegen eine intensive Zusammenarbeit bei pädagogischer Weiterbildung an. Dies betrifft insbesondere Themen, bei denen gesellschaftliche Verhältnisse Einfluss auf pädagogische Fragestellungen haben (soziale Ungleichheit, Rassismus, Fluchtbewegungen und Integration, Rollenverhalten und Geschlechterklischees, Umweltbewusstsein und Naturschutz usw.). Alle Mitarbeiter*innen des FFV sollen die pädagogischen Grundsätze der SJD – Die Falken kennen. Dazu werden in Zusammenarbeit mit dem Verband regelmäßige Grundlagenschulungen durchgeführt. 

Die Mehrheit der FFV-Mitglieder besteht aus Delegierten der SJD – Die Falken. Einmal im Jahr treffen sich die FFV-Mitglieder, um die Rechenschaftsberichte des Vorstands und die Berichte der Freizeitstätte entgegenzunehmen und zu beraten, Anträge u.a. zur Ausrichtung der beiden Einrichtungen zu verabschieden und den Vorstand zu wählen. Die Ziele und Schwerpunkte der Jahresplanung werden in Klausuren diskutiert, bei denen die Falken über die*den Kreisvorsitzende*n oder eine von ihr*ihm delegierte Person vertreten sind. Im Lauf des Jahres ist die kontinuierliche Zusammenarbeit dadurch gewährleistet, dass die*der Kreisverbands-Vorsitzende automatisch stellvertretende*r FFV-Vorsitzende*r ist. Wir streben an, dass möglichst viele FFV-Vorstandsmitglieder einen Falken-Hintergrund haben.

Ohne die SJD – Die Falken und ihr Engagement wäre das UTOPIA als Einrichtung nicht denkbar, wie eingangs beschrieben. Diese Verbundenheit beruht auf dem Menschenbild, das Verband und Trägerverein heute wie zur Gründungszeit in ihrer konkreten Arbeit als Leitlinie haben.

München, 18.03.2023

Der FFV-Vorstand